Ökiglück & Taizé

Sunday, April 03, 2011
Saint-Menoux, Auvergne, France
Nun gibt es also wieder Neuigkeiten von mir, es hat sich viel getan seit dem letzten Eintrag.
Eine Woche habe ich das pure Ökiglück im Tauschrausch auf dem Hof einer anderen FÖJ-lerin, Angela, in der Auvergne verbracht . Die Ferme de La Caille (http://www.lacaille.org/) ist kein landwirtschaftlicher Betrieb, eher eine pädagogische Einrichtung, also viele Tiere und nur ein kleiner Garten. Außerdem gibt es einen Campingplatz und eine noch nicht fertig gestellte ökologische Jugendherberge. Conny und Freek, Holländer, die vor 11 Jahren nach Frankreich gekommen sind, engagieren sich auch als Lehrer in der benachbarten Waldorfschule, empfangen "schwierige Kinder" und Sprachschüler. Ein bunter Mix aus allem also, der das Öko-Herz höher schlägen lässt. Der Hof ist abgeschieden gelegen, ein Bioladen ist in der Gemeinschaft nebenan.
Während meines Aufenthaltes schien eigentlich die ganze Zeit die Sonne und bei der Arbeit waren wir oft nur im T-Shirt. Bestimmt bin ich sogar ein bisschen braun geworden und das im März!
Wir kümmerten uns hauptsächlich um die Tiere (2 junge Hunde, 2 Gänse, 2 Schafe, ein Schwein, 2 Esel, 2 Pferde, viele Hühner, eine undefenierbare Anzahl von Katzen): füttern, herauslassen, Stall ausmisten, Kommandos trainieren (mit den Hunden), Eier suchen, abends wieder einsperren ...einen Tag lang waren wir damit beschäftigt, einen Elektrozaun für die Schafe aufzubauen. Leider scherten sich die Schafe nicht um den Strom und brachen nach einer halben Stunde wieder aus. Mistviecher! Das kann mir mit meinen Tomaten nicht passieren. Der Kontakt zu den Tieren hat mir dennoch gut getan und ich habe mal wieder viel gelernt (z.B.: Hühnern kann man Eierschalen geben damit der Kalziumhaushalt hochbleibt und sie weiterhin die Schalen produzieren können). Es gab zwar viel Arbeit, aber trotzdem fand ich die Woche doch eher erholend, ich hatte viel Gelegenheit zu lesen und mich zu entspannen.
Am Wochenende, an dem ich angekommen bin, fand ein "bal trad", ein traditioneller Ball, veranstaltet von Musikschulen, statt. Wir fuhren mit dem Rad zu Lea, einer FÖJ-lerin, die ganz in der Nähe arbeitet, und radelten dann zusammen zum Saal. Dort trafen wir noch 3 andere FÖJ-ler und eine Ehemalige, ein wahres FÖJ-Treffen. Es war toll, die anderen zu sehen und wir haben uns gut amüsiert. Der Unterschied zu einem Fest Noz ist, dass viel mehr Partnertänze gespielt werden, während in der Bretagne hingegen Kreistänze im Vordergrund steht .
Ein anderes Highlight war ein Abend, an dem wir Crêpes im Lagerfeuer gemacht haben, in Pfannen mit sehr langen Stielen wurden die Pfannkuchen nach holländischem Rezept (mit Bier, um sie fluffiger zu machen) gebacken. Was für ein Schmaus!!!
Das letzte Wochenende waren wir dann zu 2 in Taizé. Für alle Unwissenden: Es ist eine ökumenische Gemeinschaft von Brüdern aus der ganzen Welt, die Jugendliche das ganze Jahr über, vor allem im Sommer empfängt. Die Kirche sieht eher nach einer Lagerhalle aus, aber trotzdem hat dieser Ort eine magische Anziehungskraft. Besonders die mehrstimmigen Gesänge, die die Gottesdienste morgens, mittags und abends dominieren, berühren sehr. Ich habe mich sehr gefreut, dorthin zurück zu kehren. Das letzte Mal war ich zu Ostern dort, mit 3000 anderen Menschen, nun herrschte eher eine familiäre Atmosphäre mit 300 Jugendlichen, vor allem Deutsche. Leider konnten wir nur 3 Tage bleiben und Angela wurde krank, aber trotzdem hat es meine Batterien wieder aufgeladen.
Wir fuhren wieder zurück auf den Hof, wo ich von Sonntag auf Montag noch einmal mein Bett bezog und Montag Morgen ging es dann wieder auf große Reise: immerhin 500 km . Ich hatte beschlossen, von Moulins, der nächstgroßeren Stadt, die mit dem Bus erreichbar ist, aus zu trampen. Auf der Hinfahrt hatte ich viel Zeit mit Warten verbracht und es war megakompliziert: Fähre, Bus, Mitfahrgelegenheit, Zug...Ich brauchte zwar den ganzen Tag bis Paimpol, aber ich kam dennoch an. Für die ersten 100 km brauchte ich 3 Stunden und in Rennes wartete ich 1 1/2 Stunden in der rush-hour mitgenommen zu werden. Gott sei Dank musste ich nicht das letzte Boot kriegen, da ich bei Jean Philippe schlafen konnte. Am Ende hat noch jemand einen Umweg gemacht, um mich vor seiner Haustür abzusetzen. Ich habe so viele nette Menschen kennen gelernt und bin ungefähr zur gleichen Zeit angekommen wie als wenn ich Bahn und Bus genommen hätte.
Zuhause auf Kervilon angekommen, tobte das wilde Leben: Ein Zimmermann und seine Zimmerfrau motzten das Palettenhaus auf, haben ein Zimmer in der Küche gebaut und hinter der Küche die Werkstatt in ein Mini-Appartement verwandelt. Leider sind sie nicht ganz fertig geworden, aber Peter, ein ehemaliger australischer Woofer, wird noch daran weiter arbeiten. Lucie ist nun auch wieder in die Normandie zurück gekehrt, dafür ist Delphine gekommen. Im Moment sind wir also zu fünft.
Vor meiner Abreise haben wir noch die Tomaten gepflanz - nun blühen sie und ich habe schon den fruchtigen Geschmack im Mund. Ab Morgen fängt die Kartoffelernte an, die erste in der Gegend. Wir werden sie im Bioladen auf dem Festland verkaufen, da bin ich schon ein bisschen stolz! Bald geht dann auch der Markt wieder los: Während der Osterferien jeden Tag, daran werde ich mich gewöhnen müssen. Der Frühling ist mehr oder minder angekommen, manchmal versteckt er sich noch aber die Tier- und Pflanzenwelt hat sich schon darauf eingestellt: Die Blumen blühen, die Bienen summen (a propos Bienen: Da unsere Tomaten ja auch bestäubt werden müssen, schütteln wir sie ein bisschen. Später werden wir dann einen kleinen Stock kaufen, die diese Arbeit übernehmen. Praktisch, die Natur!).
Nun habe ich wieder ganz viel geschrieben, viel Spaß mit den Fotos und danke für's Lesen!
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2020-04-08