Abschied von Sherubtse

Saturday, August 30, 2014
Sherubtse, Bhutan
Mein letzter Monat in Sherubtse lässt sich mit einem Wort beschreiben: Voll.

Voller produktiver Tage in der Bibliothek, trotz der ich mein Projekt leider immer noch nicht abschließen konnte, sodass ich mich noch ein bisschen zuhause back in Germany damit beschäftigen darf .

Voller Aktivitäten drum herum: Es fing an mit dem Lesewettbewerb mit dem Reading Club war, für den ich Jury spielen durfte und ging weiter mit dem Karatetunier, für das wir jeden Tag von 6-7 Uhr (morgens, weshalb die Anzahl der bhutanischen Teilnehmer doch drastisch abnahm mit der Zeit) trainierten. Ich besuchte auch einmal den Dzongkha-Unterricht, wo ich fleißig mitschrieb und eine großartige Übersetzung einer Kommilitonin bekam. Für den kulturellen Part gab es die Welcome-Show, bei der ich zusammen mit den Mädels aus meinem Hostel unter dem Namen „GB Girls" (German&Bhutanese Girls) boedra, den traditionellen bhutanischen Tanz auf der Bühne für die Erstis vorführen durfte (Ich habe auch ein Video davon, das ich aber hier nicht hochladen kann. Bei Interesse müsst ihr mal bei mir vorbeischauen :) ) und die entsprechende Return-Show, bei der die Erstis ihrerseits ihr Talent zeigen konnten und ich zu einer Abschiedsrede genötigt wurde. Im Kontrast zu diesen „ur-bhutanischen“ Traditionen stand das wichtigste religiöse Fest der Hindus, das Mitte August stattfindet und ich gerne „Lord Krisna's Birthday Party“ nennen, also in etwa das hinduistische Weihnachten . Zum Abschluss habe ich mit Ania, der neuen chilip (polnische Studentin aus London, die ein Semester in Sherubtse bleibt), noch einen Ausflug nach Pam gemacht, wo wir unsere Biogasanlage inspiziert haben. Es sieht alles gut aus und die Familie war so nett, uns ein gutes, bäuerliches Mittagessen mit dem Biogas zu kochen (wie cool ist das denn!!!), womit ich auch schon beim nächsten Thema wäre:

Voller gutem Essen. Es gehört zur guten bhutanischen Manier (Driglam Namzha, http://bhutancanada.org/teacher-orientation-etiquette-in-bhutan/ ), einen guten Freund zum Abschied zum Essen einzuladen und so war meine ganze letzte Woche mit Mittag- und Abendessen auswärts gefüllt. Es war teilweise echt schwierig, alles zu koordinieren, da sich die Pläne ja des Öfteren mal ändern und es ihnen ja egal sein kann, ob wir uns nun Mittwoch oder Donnerstag treffen, aber irgendwie wollte ich ja jeden nochmal sehen. Besonders schön waren die letzen zwei Tage: Fast der ganze Dzongkha-Kurs, dem meine Mitbewohnerinnen und guten Freunde angehören, organisierten ein fabelhaftes Dinner mit selbstgemachten Momos und arra in deren Haus (manche Studenten haben die Schnauze voll von den überfüllten Hostels und ziehen dann in ein Bauernhaus in der Umgebung) . Am nächsten Tag hatten wir dann ein riesiges Indoor-Picknick mit den Tshogayling-Girls. Sie hatten eine lange Tafel aufgebaut und jeder hatte ein oder 2 Gerichte für das Büffet gekocht und sich Mühe gegeben, es extra bhutanisch (=extra viel Chili) zu machen, was dazu führte, das wir nicht vor Abschiedsschmerz, sondern brennendem Mund heulten. Aber ich glaube, dennoch war das das beste Essen, was ich jemals in Bhutan bekommen habe. Diese beiden Erinnerungen berühren mich wirklich sehr, weil meine Freunde sich so viel Mühe gegeben haben.

Und natürlich voller Abschiede…da ich nicht mit jedem zum Abschied etwas essen konnte, da mich Drukair wegen exzessiven Übergewichts wahrscheinlich nicht hätte mitfliegen lassen, gab es auch Abschiede ohne Essen. Die Sherubtse Organic Farming Society (SOFS) hat extra ein Treffen einberufen, um mir ein Zertifikat auszustellen und mir einen kadda (weißer Zeremonieschal) als Segnung zu überreichen. Als kleines Dankeschön habe ich im Gegenzug Schokolade und Lollies verteilt, was natürlich aber in überhaupt keinem Vergleich stand zu dem, was ich empfangen durfte .

Die Tage verflogen nur so und ich bekam immer kleine Anfälle, während dener ich eigentlich gar nicht mehr weg wollte, gleichzeitig wuchs aber auch die Vorfreude auf „zuhause“ (Home is where your heart is, also ziemlich verteilt momentan): Wasser, das aus dem Duschkopf kommt, deutsches Vollkornbrot, direkte, einfache Kommunikation, mein Bio-Gemüsestand auf dem Höxteraner Wochenmarkt, Fahrrad fahren…Am Ende stand aber immer das Gefühl, jede Sekunde aufs Vollste auskosten zu müssen. Und das habe ich glaube ich auch getan.

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