Le Chant des Marins + l'été

Sunday, August 14, 2011
Paimpol, Brittany, France
Nun, nach langer Zeit, hole ich endlich mal die noch letzten ausstehenden Einträge nach.
Nach dem Seminar kam ich also zurück auf den Hof und war zuerst etwas erschlagen, da die Bewohnerzahl sich drastisch erhöht hatte - die Bäcker waren angekommen und hatten ihren Betrieb aufgenommen, Woofer sind angekommen und Besuch war auch noch da ...ich fühlte mich etwas verloren und hatte einen Abend lang das Gefühl, gar nicht dazu zu gehören.
Das hat sich Gott sei Dank sehr schnell wieder gelegt, denn Philippe und Marie-Laure, die Bäcker aus der Mayenne (ein département im Pays de la Loire), die eigentlich auch Milchkühe haben, haben mich sofort ins Herz geschlossen, wie ich auch, und für ihre 12-jährige Tochter Manon war ich schon nach kurzer Zeit die 2. "maman".
Die Arbeit war natürlich mehr geworden, das Unkraut schnitten wir im Härtefall mit einer Gartenschere ab, aber ansonsten ging es den Kulturen gut. Wir machten richtige Tomatenernten, alle 3 Tage pflückten wir etliche Kilo, Gurken jeden Tag, verschiedenste Bohnen und die Erdbeeren ebenfalls täglich, Zucchini alle 2 Tage...diese regelmäßigen Ernten bestimmten unsere Vormittage, die wir mit den woofern verbrachten.
Nachmittags mussten dann die Ernten für den Markt am nächsten Morgen gemacht werden: immer viel Salat, Kräuter, Karotten...Wenn dann noch Zeit blieb, war die Pflege der vorhandenen Kulturen dran .
Worauf wir sehr stolz waren, war, dass wir es geschafft hatten, unser gesamtes Kartoffelfeld bis zum 15. August zu ernten, letztes Jahr wurden wir damit im Oktober/November fertig und die Würmer hatten etwa die Hälfte in der Erde schon angeknabbert. Dieses Jahr waren sie schon groß genug um sie zu ernten, nun werden sie gelagert und hoffentlich nicht von den Ratten attackiert.
Bis Anfang August war die Stimmung einfach toll, mit vielen jungen Leuten, wir haben uns alle gut verstanden, aber dann schlug das Barometer leider langsam um und nach und nach verließen alle Freiwilligen den Hof, da Francois und Marion durch die Situation etwas belastet waren und daher manchmal gereizt und (zugegebenermaßen) auch mal unfair reagiert haben.
Von da an waren wir nur noch zu 3 in den Feldern: Vincent, der Saisonarbeiter, Marion und ich. Wir stellten fest, dass es eigentlich so viel besser sei, kein Stress, den Neuen alles zu erklären und sie danach zu "bewachen" und zu dritt waren wir sogar schneller als mit Anhängsel - ein super Team!
Ich war sehr froh, nach einer langen Marmeladen-Phase wieder zu meinen Pflanzen zu kommen, die Küche wurde mir wirklich zu viel und am Ende stand fast ein Nervenzusammenbruch, da ich einfach ausgebrannt war von dieser Arbeit . Den Rest meines Aufenthalts war ich von diesen Pflichten befreit und Francois und Marion fanden heraus, dass es ihnen ja eigentlich total Spaß macht...so waren dann alle wieder glücklich.
Trotz woofer-Mangels waren wir immer ziemlich zahlreich zu Tisch, da Philippe und Marie-Laure ständig Besuch aus ihrer riesigen Familie hatten, die das herrausragende Brot testen wollten und ganz nebenbei die Gelegenheit nutzten, Urlaub auf der Insel zu machen.
Das Zusammenleben mit den Gruaus war sehr schön, die beiden sind einfach so herzliche und liebe Menschen, dass es überhaupt keine Probleme geben kann (aus meiner Sicht, Francois und Mario waren da teilweise anderer Meinung):) Manchmal habe ich mitgeholfen, den teig zu kneten oder die Laibe zu formen, was auch eine sehr gute Erfahrung war. Manchmal hat Marie-Laure vormittags auch Workshops gemacht, einmal ist auch Charlotte Guinsbourg gekommen. Für alle, die sie nicht kennen: Sie ist die Tochter eines berühmten provokanten Sängers der 60-er in Frankreich (der die Marseillaise, die französische Nationalhymne, als Reggea-Version vertont hat;D) und singt selber und ist Schauspielerin . Sie hat eine Sommerresidenz auf Bréhat und war Gesprächsthema Nummer 1 diesen Sommer...und Philippe war der Schlimmste:P
Vom 12. bis zum 14. August war dann ein großes Festival im Hafen von Paimpol, zu dem ich mit Hélène und Jean-Philippe gegangen bin (das Programm:http://www.paimpol-2011.com/http://www.paimpol-2011.com/). Es waren Seemannsgesänge, bretonische und Weltmusik vertreten, auch das Fest-Noz durfte nicht fehlen. Überhaupt habe ich diesen Sommer kein einziges Fest-Noz auf der Insel verpasst und sie in vollen Zügen genossen, jetzt wo ich Profi bin...
Was sonst noch war: Zur Einweihung des Ofens sind viele Nachbarn vorbeigekommen, es wurden Pizzas und original brehatinische Ziegen verköstigt, Musik gespielt und alte Bréhat-Lieder vorgetragen...sehr schöner Abend!
Außerdem hatte ich Besuch von Yannick, dem FÖJ-ler, der beim Loubatas stationniert war und extra den langen Weg aus Marseille hergetrampt ist, um ein paar Tage auf der Insel zu verbringen...vielen Dank dafür!
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2020-12-01