Fest-Deiz, der Schulgarten und viiiiel Sonne

Sunday, April 24, 2011
Tréméoc, Brittany, France
Letztes Wochenende ging es mal wieder auf große Reise: Vincent, der auf der Insel mit Kühen arbeitet, hat mit ins Centre Bretagne genommen. Zunächst haben wir Hélène in Plélauff besucht, abends haben wir natürlich ein Fest-Noz besucht und sind dann Sonntag in die Nähe von Quimper gefahren, auf Coat Keroec, wo ich auch Weihnachten verbracht habe. Yvélines Hof ist von der Räumung bedroht, sie hat einen Erbrechtsstreit gegen ihre Geschwister verloren und soll nun ihren Hof aufgeben. Das Urteil soll aber völlig unberechtigt sein, da ihre landwirtschaftliche Aktivität überhaupt nicht anerkannt wird. Deshalb hat sie ein Fest-deiz (=Fest-noz am Tag) organisiert, um möglichst viele Menschen auf ihren Fall aufmerksam zu machen und zu mobilisieren. Dies ist ihr sehr gut gelungen, bei strahlendem Sonnenschein genossen die etwa 200 Besucher die Musik, die Bewirtschaftung und den Hof. Es war schön, zurück zu kommen, auch wenn Johannes und Yvéline nicht viel Zeit hatten. Falls ihr die beiden Unterstützen und euch mehr informieren möchtet, eine Petition kann man hier unterschreiben: (ist allerdings auch Französisch) http://www.cyberacteurs.org/cyberactions/presentation.php?id=278
Nun ein kleiner Rückblick: Vor einiger Zeit waren wir in der Grundschule der Insel, die immerhin 30 Kinder in 2 Klassen beherbergt, und haben mit besagten Mini-Brehatinern den Garten gestaltet . Und da wir Gemüsebauern sind, ist es natürlich ein Gemüse- und Früchtegarten geworden.
Wir haben kleine Erdbeersträucher mitgebracht, ebenso wie ein paar Himbeeren. Für die herzhafte Seite wurden Artischocken, Salate und KrÄuter gepflanzt. Meine Aufgabe war es, mit den Kindern zu säen, was auch gut geklappt hat, sie waren Feuer und Flamme für die Bohnen, Zucchini, Basilikum...Zum Schluss haben wir dann noch ein paar Blumen gesät, es soll ja schließlich auch hübsch aussehen. Wir hatten eine Stunde für all das und es war ziemlich anstrengend, aber auch bereichernd für uns, die Begeisterung für das Wunder des Lebens weiterzugeben.
Während der letzten 2 Wochen hatten wir also jeden Tag unseren Marktstand in "Le Bourg" (der alte Ortskern), wo alle Touristen schön brav vorbeilaufen und sich bestenfalls nicht über die Preise beschweren (wer uns im Gewächshaus für die Kartoffeln buckeln gesehen hätte, würde sich nicht über 4,60 € beklagen). Unser Hauptklientel waren aber wieder mal die Pariser, die die Ferien in ihren Ferienhäusern auf der Insel verbringen und sich bei uns vorsorgen . Ich war ein paar Male alleine auf dem Markt, was zwar eine große Verantwortung war, aber da es meistens ruhig blieb und nicht zu Massenanstürmen kam, war auch diese Herausforderung zu bewältigen.
Unser petit marché läuft auch ganz gut, ich hatte schon Angst, dass wir alle unsere Konserven gar nicht loswürden, aber die Menschen finden die Idee anscheinend zu sympathisch.
In den Feldern steht ein Haufen Arbeit vor uns, nachdem wir in der letzten Zeit schon viel gepflanzt haben: Paprika, Auberginen, Melonen und Basilikum im Gewächshaus; draußen "en pleine terre" (=in der "vollen" Erde) Sellerie, Fenchel, Zwiebeln und Lauch. Eine besonders markierende Arbeit ist das Jäten der Karotten, die ungefähr die Hälfte eines Streichholzes groß sind und nur 2 "Blätter" besitzen (die ersten 2 sind meisten gar keine richtigen Blätter der Definition nach: Kotyledonen oder auch Keimblätter), inmitten eines Urwalds aus Unkraut. Diese Arbeit nimmt regelmäßig mehrere Stunden in Kauf...was haben die Spritzer es doch leicht! Also, wann immer ihre Bio-Karotten kauft: Seid euch über die enorme Arbeit bewusst die dahinter steckt . Größere Höfe haben diesen Prozess wahrscheinlich mechanisiert, aber es ist immer noch ein enormer Aufwand für ein Gemüse, das wir eigentlich nicht als wertvoll einstufen.
Um den Platz in den Gewächshäusern zu schaffen, mussten die Kartoffeln verschwinden, leider nicht in unseren Mägen, dafür aber im Bioladen auf dem Festland und natürlich bei unseren Kunden. Für Ostern haben wir nochmals sehr viele geerntet, da sich die Menschen etwas gönnen wollen und dafür auch investieren (ihr seht, es steckt eine ganze Psychologie dahinter!). Nun sind bald fast alle in den Gewächshäusern abgeerntet, die Kartoffeln draußen reifen nun für den Sommer heran.
Letzte Woche war Vertigo, die Gruppe um Francois Bruder, wieder auf der Insel, um zu üben und sich inspirieren zu lassen. Sie haben ein Fest-Noz (noch eins!) und ein Konzert gegeben und auch wenn die Musik eher traditionell ist, reißt sie doch mit und ist sehr dynamisch.
Die Baustelle geht voran, Fotos folgen bald. Ich überlege, ins Palettenhaus umzuziehen, sobald Peter, der australische Bastler, abreist. Dann wäre ich zwar etwas weiter weg vom Geschehen, hätte aber etwas mehr Ruhe und es hat doch etwas in so einem besonderen Bauwerk zu hausen.
An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlich für all die lieben Geburtstagswünsche bedanken: Merci beaucoup wie der Franzmann sagt. Ich hatte einen schönen Tag mit Geschenken und Kuchen, gearbeitet habe ich natürlich trotzdem. Es war schön, dass I
ihr an mich gedacht habt!
In diesem Sinne, frohe Ostern wünscht euch euer Super-Rabbit!
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