Ein Holzhaus, ein Sonnenwendfeuer & die Normandie

Friday, July 01, 2011
Le Luot, Basse-Normandie, France

Nach meinem Urlaub ging es natürlich
gleich wieder an die Arbeit, wie immer viel Unkraut jäten und Arbeit
in den Tomaten . Zusätzlich haben wir nun fast alle Kulturen in den
Gewächshäusern mit dem BRF geschützt, sodass das Unkraut
wenigstens dort erstmal gestoppt sein sollte.
Die Ferien fangen nächste Woche an,
sodass wir nun noch schnell alles erledigen, was vor der Saison
passieren muss, kleine, aber wichtige Details.
Die Tomaten geben nun von Tag zu Tag
(wir ernten alle 2 Tage) mehr, im Moment sind es 15 Kilo leckerster
Cocktail-, Cherry-, runde, längliche und bizarre Tomaten, die
Zucchini geben noch mehr, das einzige Problem sind die mangelnden
Kunden, da wir im Moment nicht auf dem Markt sind. Wir haben nicht
mal Zeit, sie in ein Chutney zu verwandeln, sodass wir ausnahmsweise
mal akzeptieren, Gemüse zu verlieren, nur um noch die nächste Woche
zu überdauern.
Außerdem haben wir leider nicht so
viel Glück mit den Wooferin; eine Kanadierin sowie eine Spanierin
sind nach 2 Tagen wieder abgefahren aufgrund familiärer Probleme
(?). Zwischendurch hatten wir einen Irländer und eine Engländerin
und natürlich Peter. Im Moment ist ein Schweizer da, aber auch nur
für eine Woche.
An meinen freien Tagen habe ich Peter
geholfen, dass Palettenhaus (das aufgrund der abgedeckten Paletten
gar ich mehr so „bleue“ ist) mit Holz zu verkleiden. Dafür
musste viel gehämmert werden und ich bin stolz, dass ich es jetzt
einigermaßen kann ohne mir 30 Mal auf den Daumen zu hauen. Es fehlt
nur noch ein bisschen Holz bis zur Vollendung, leider musste Peter
nun auch abreisen, aber trotzdem ist es schon sehr hübsch .
Wie auch in Deutschland gibt es
Frankreich auch die Tradition des Sonnenwendfeuers („le feu de la
Saint Jean“), auf Bréhat wurden natürlich die allseits beliebten
Paletten verbrannt (aber nicht unsere, danke CHEP!). Dieses Ereignis
war typisch dorffest-mäßig: Die Omis sind an der Kasse, die Muttis
machen Crêpes, die Alten an der Bar und die Starken am Grill. Die
Kinder schmeißen Böller, die üblichen Verdächtigen besaufen sich.
Francois und Marion haben auch gespielt, später gab's dann
Rockmusik. Zu meiner großen Freude sind Hélène und Jean-Philippe
auch gekommen, sodass wir ein kleines Revival feiern konnten. An
diesem Wochenende war auch Philippe, der Bäcker, mit seiner Familie
gekommen, um das erste Mal Brot in dem neuen Ofen zu backen.
Dies habe ich leider nicht mitbekommen,
da ich Laura, die Engländerin, zu ihrem derzeitigen Arbeitsplatz in
der Nähe von Avranches begleitet habe. Wir sind nach Dinard getrampt
(mit einigen Marsch-Etappen) und wollten dann eigentlich weiter, aber
leider war dies wahrscheinlich der heißeste Tag des Jahres (
bestimmt so 35°C und das in der Bretagne!!!) . Deshalb entschlossen
wir uns, nicht weiter unsere schweißgebadeten Körper mit dem
Rucksack zu belasten sondern lieber ein bisschen außerhalb zu
campen. Bis spät in den Abend war es heiß und an diesem Abend habe
ich die beste Dusche meines Lebens genommen. Unglaublich, wie das
Wetter sich ändern kann.
Am nächsten wurde es dazu noch schwül,
aber Gott sei Dank war es nicht mehr weit bis Avranches (im
Departement „La Manche“). In der Stadt haben wir den jardin des
plantes besucht und dann noch einen Ziegenhof, auf dem uns der Bauer
spontan zum Mittagessen eingeladen hat, auch wenn wir ihm nicht beim
Heumachen helfen konnten.
Dann hat uns Lauras Chef, Roger
abgeholt und uns in das chambre d'hôtes gebracht. Der Engländer hat
es vor 20 Jahren eröffnet und empfängt viele englische Gäste,
spricht dementsprechend immer noch sehr brüchiges Französisch (aber
immer noch besser als Peter: „Est-ce que je peux veux aver bör?“=
Kann ich bitte die Butter haben?). Ansonsten war er aber sehr nett
mit seinem trockenen englischen Humor.
Da Laura noch im Urlaub war, mussten
wir nur einkaufen gehen und legten uns ansonsten auf die faule Haut.
Abends wollte sie mir meinen lang ersehnten Käsekuchen machen, aber
leider ist er flüssig geblieben (zu viel Luftfeuchtigkeit? Was sagen
die Kuchenexperten?), trotzdem sehr lecker.
Dann musste ich leider am nächsten
Morgen wieder los, sehr kurzer Urlaub, schließlich werde ich auf dem
Hof gebraucht. Mit dem Zug bis Rennes, wo ich in ein sehr
interessantes Museum über die Geschichte der Bretagne gegangen bin,
dann weiter bis St . Brieuc, wo Hélène und Claude mich mit seinem
2CV abgeholt haben. Wir haben zusammen gegessen, dann ging es zurück
nach L'Arcouest, wo wir aufgrund eines Kaffees das Boot verpasst
haben und ich noch eine Stunde warten musste. Zu allem Überfluss
wurden uns natürlich bei dem Sonnenwendfeuer 2 Fahrräder und meine
Regenjacke geklaut (von wegen friedliche Insel), sodass ich zu Fuß
nach Hause laufen musste. Dieser Urlaub war eher nicht so erholsam...
Nächste Woche geht’s dann also zum
letzten Seminar tief in den Süden, nach Aix-en-Provence. Die
nächsten Grüße kommen aus der Provence!
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